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ALTENSTEIN Wo das Mittelalter seine Auferstehung feiert

Mainpost 24.07.2011, von Beate Dahinten

Erster Abschnitt des Burgeninformationszentrums in Altenstein konnte seiner Bestimmung übergeben werden

Der erste Abschnitt des Burgeninformationszentrums wurde seiner Bestimmung übergeben. Das Mittelalter soll dort für die Besucher lebendig werden: „Grüß Gott“, „Guten Tag“, „Hallo“. In edlen, farbenfrohen Gewändern heißen sie die Gäste willkommen, schütteln viele Hände. Doch nein, die edlen Burgherren und -damen gehören nicht zu den Stationen der Zeitreise. Mitglieder des Burgen- und Heimatvereins Altenstein haben sich wieder einmal in Schale geworfen, um einem besonderen Anlass hier oben auf der Ruine das historische i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Und ein besonderer Anlass war die Feierstunde am Freitagnachmittag allemal. Auch wenn es sich „nur“ um eine Teileröffnung handelte. Was bislang lediglich als Konzept und als Internetauftritt existierte, ist nun im wörtlichen Sinn greifbar: Vier von 15 Stationen und ein Teil des Burgeninformationszentrums in der ehemaligen Schule wurden zur Besichtigung freigegeben.

Zwar sei noch einiges zu verbessern, bekannte der Vorsitzende des Zweckverbandes Deutscher Burgenwinkel, Maroldsweisachs Bürgermeister Wilhelm Schneider, „dennoch freue ich mich, dass wir unseren ehrgeizigen Zeitplan einhalten konnten“.

Schließlich hatten die Bauarbeiten an dem Schulhaus erst im Januar dieses Jahres begonnen und waren durch einen unerwarteten Fund unterbrochen worden (wir berichteten). Doch machte man aus der Not eine Tugend: Die Mauerreste einer ehemaligen Vorburg wurden, so Schneider, „zum Ausstellungsstück umfunktioniert“ und sind inzwischen unter Glas zu bewundern. Den einsturzgefährdeten Dachstuhl des Schulhauses hatte man ebenfalls nicht auf der Rechnung gehabt.

Nächstes Jahr komplett

Schon heuer können Bürger und Gäste das Informationszentrum zum ermäßigten Eintrittspreis besichtigen. Mit Kunsthistorikerin Sabine Wagner erwartet sie eine fachkundige Ansprechpartnerin. Wagner ist neben Projektmanagerin Anne Mommer die zweite Mitarbeiterin, die der Zweckverband angestellt hat. Und mit dem Flyer, den Alexander Doderer von der Marketingagentur Gruppe Drei bei dem Festakt vorstellte, gibt es nun auch erstmals Werbung in gedruckter Form.

Im nächsten Jahr sollen nicht nur das Burgeninformationszentrum als Herzstück und alle Stationen auf der Ruine, sondern auch die Einbindung der 24 anderen historischen Bauwerken des Burgenwinkels komplett sein.

Voraussetzung dafür, dass diese „sichtbaren Zeugen der Reichsritterschaft“ zu einem „lebendigen Erlebnisraum als Ganzes“ werden, ist laut Landrat Rudolf Handwerker ein geschärftes Bewusstsein der Einwohner für die Vergangenheit. Er wünsche sich, dass viele von ihnen zu „Ritterexperten“ werden, „die von der Vergangenheit erzählen können und stolz auf ihren Burgenwinkel und seine Geschichte sind“.

Dem heutigen Burgherrn – zeitgemäß in Anzug und Krawatte gekleidet – war es aber auch wichtig, dass es bei der ganzen Sache nicht nur um die Vergangenheit geht: „Von diesem Projekt kann, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenstehen, eine Aufbruchstimmung ausgehen, die Hoffnung für die Zukunft dieser Gegend schöpfen lässt“, sagte Handwerker, der mehrfach an den Gemeinschaftsgeist appellierte. Der demographische Wandel lasse sich nicht aufhalten, „aber wir können uns durch verstärkte Zusammenarbeit darauf einstellen“.

Ein Lob gab es von Peter Kraus (Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken) für die Initiative und für das bisherige Ergebnis: Das alte Schulhaus sei „von einem hässlichen Entlein zu einem stolzen Schwan“ geworden. Respekt für die Zusammenarbeit von acht Kommunen und Landkreis zollte Architekt Thomas Adamer. „Das Projekt sucht seinesgleichen“, betonte Burgenforscher Joachim Zeune, „zumal es auf alle Burgen ausgeweitet wird.“ Von Burg zu Burg begleiten wird die Besucher Steinmetz Jakob. Die fiktive Figur ist in der Hussitenzeit (15. Jahrhundert) angesiedelt, als der Würzburger Bischof alle Burgen ausbauen ließ.

Interaktive Stationen

Dass ein Denkmal wie die Ruine Altenstein zur Besinnung anregt, wünschte sich Pfarrer Stefan Köttig: „Denk mal über dich nach und über dein Leben.“ Der evangelische Altensteiner Seelsorger erbat zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Pater Richard Brütting den Segen Gottes für Zentrum und Besucher. Er hoffe, so Köttig, dass sich Letztere von der gebotenen Informationen über die Vergangenheit berühren lassen: „Von dem, was bleibt“. Zuvor hatte Köttig auf das biblische Bild der Burg hingewiesen, das in Psalmen häufig zu finden sei: Wahre Sicherheit bieten demnach nicht die Mauern, sondern nur Gott.

„Wie sah eine Burg aus?“ „Wer hat dort gelebt?“ „Wie hat der Alltag ausgesehen?“ Antworten auf diese Fragen sollen laut Architekt Adamer und Burgenforscher Zeune die Besucher des Burgenwinkels finden. Adamer rückte den emotionalen Aspekt der interaktiven Stationen in den Mittelpunkt: „Nur was ich angreifen kann, kann ich auch begreifen, und nur das kann mich emotional berühren. Nur was mich emotional berührt, werde ich nicht vergessen, es bindet mich an einen Ort.“ Solchermaßen berührt, werde man den Burgenwinkel gerne weiterempfehlen.

Laut Zeune geht es außerdem darum, ein falsches Bild von Burgen und dem Mittelalter zu korrigieren: Vorstellungen von Abenteuer, Helden- und Gräueltaten seien ebenso eine Erfindung des 18. und 19. Jahrhunderts wie die von Ritterturnieren, Saufgelagen und Belagerungen.

Öffnungszeiten und Finanzierung

Das Burgeninformationszentrum öffnet am Samstag, 30. Juli, offiziell für interessierte Besucher. Während der bayerischen Sommerferien gelten folgende vorläufige Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr (Angaben ohne Gewähr). Für dieses Jahr gelten ermäßigte Eintrittspreise.

Besichtigt werden können folgende Stationen: „Bauch der Burg“ (Gewölbe), „Im Zeichen der Macht“ (Burgenschach), „Im Namen Gottes“ (Kapelle) und „Zwischen den Toren“ sowie das Burgeninformationszentrum mit interaktiver Informationskarte und einem vorläufigen Burgenmodell zur Orientierung.

Investiert wurden für das Burgeninformationszentrum bislang insgesamt 280 000 Euro im Bereich Hochbau. Der Markt Maroldsweisach wurde dabei unterstützt vom Amt für Ländliche Entwicklung (104 000 Euro aus Mitteln der Dorferneuerung), von der Bayerischen Landesstiftung (14 000 Euro), Stiftung Sparkasse Ostunterfranken (30 000 Euro), Raiffeisen-Volksbank Ebern (1500 Euro) und Fördergemeinschaft Haßberge (7000 Euro). Die Unterfränkische Kulturstiftung gewährte 12 500 Euro für den Hochbau und fördert den Zweckverband mit derzeit 80 000 Euro. Aus dem LEADER-Programm der EU erhält der Zweckverband 400 000 Euro.

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